Eine Verlobung ist kein Event.
Sie ist ein Übergang. Ein innerer Schritt, den zwei Menschen gemeinsam gehen, lange bevor daraus eine Hochzeit wird. Und genau deshalb stellt sich für viele Paare sehr früh die Frage: Wie – und mit wem – teilen wir diesen Moment eigentlich? Wann sollte man also seine Verlobung bekannt geben?
Als freie Trauredner:innen begleiten wir Paare oft Monate oder sogar Jahre nach ihrer Verlobung. Und trotzdem merken wir immer wieder: Die Art, wie eine Verlobung bekannt gegeben wurde, sagt viel darüber aus, wie ein Paar später heiraten möchte. Öffentlich oder leise. Erzählt oder geschützt. Schnell oder bewusst.
Verlobung bekannt geben: Muss man das heute öffentlich tun?
Social Media hat die Art verändert, wie Glück sichtbar wird. Früher wurde angerufen, geschrieben, eingeladen. Heute reicht ein Post – und eine Information ist draußen. Das kann wunderschön sein. Und es kann überfordern.
Wir erleben Paare, die ihre Verlobung voller Freude teilen, und andere, die im Nachhinein merken, dass der Moment schneller verschwunden war, als sie ihn fühlen konnten. Beides ist legitim. Entscheidend ist nicht der Kanal, sondern die Frage dahinter:
Für wen ist diese Bekanntgabe gedacht – und was soll sie tragen?
Manche Paare genießen es, zuerst im kleinen Kreis zu bleiben. Andere möchten ihre Freude sofort teilen. Beides darf nebeneinander existieren. Eine Verlobung verliert nichts, nur weil sie nicht sofort öffentlich wird.

Echte Reaktionen: Warum sie mehr sind als ein schönes Bild
Was wir als freie Trauredner:innen immer wieder erleben: Echte Reaktionen wirken weit über den Moment hinaus. Nicht nur für das Paar selbst, sondern auch für Eltern, Geschwister und enge Bezugspersonen.
Wenn Eltern sehen – nicht inszeniert, sondern ehrlich –, dass ihr Kind glücklich ist, dass diese Entscheidung aus Liebe und Überzeugung getroffen wurde, dann beruhigt das. Viele unausgesprochene Sorgen lösen sich nicht durch Erklärungen, sondern durch das Spüren eines Moments: Tränen, Lachen, Sprachlosigkeit. Diese Reaktionen sind Beziehung in Echtzeit.
Und genau deshalb müssen sie nicht öffentlich sein. Sie dürfen es sein – müssen es aber nicht. Oft sind sie am kraftvollsten, wenn sie nur für einen kleinen Kreis gedacht sind.
Der richtige Moment: Warum wir für Zeit plädieren
Zwischen Antrag und Bekanntgabe liegt ein Raum, den viele Paare heute kaum noch nutzen. Dabei ist er etwas sehr Besonderes. Für einen kurzen Zeitraum wissen nur zwei Menschen auf der Welt voneinander, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat. Vielleicht noch eine Trauzeugin oder ein Trauzeuge, jemand, der beim Ringkauf geholfen hat. Aber ansonsten: niemand.
Wenn diese Information sofort „rausgeht“, verselbstständigt sie sich. Dann kommen Meinungen, Erwartungen, Projektionen. Deshalb sagen wir oft: Nehmt euch Zeit. Eine Nacht. Zwei. Drei. Oder auch mehr. Fast so, wie Paare sich Zeit nehmen, bevor sie eine Schwangerschaft verkünden. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern aus Schutz.
Dieser Moment gehört zuerst euch. Und erst danach der Welt. Die Verlobung bekannt geben sollte man also dann, wenn man sich danach fühlt, nicht wenn man muss.

Haltung statt Hochglanz: Es gibt keinen richtigen Antrag
In unseren Traugesprächen hören wir alle Varianten – und genau das ist das Schöne.
Den Ring, der durch die halbe Welt gereist ist, um auf den Malediven präsentiert zu werden.
Den Antrag mit selbst beklebten Nutella-Gläsern.
Den Ring, der morgens neben dem Brühkaffee liegt, beide im Jogginganzug, beide krank – und trotzdem passt es genau in diesem Moment.
Keiner dieser Anträge ist richtiger als der andere. Entscheidend ist nicht die Kulisse, sondern die Passung. Wie fühlt es sich an? Trägt der Moment euch – oder versucht er, etwas darzustellen?
Als freie Trauredner:innen fragen wir später nicht: War das spektakulär?
Wir fragen: War es euer Moment?
Lasst euch nicht bequatschen, wann ihr die Verlobung bekannt geben wollt – weder von Trends noch von Plattformen
Social Media kann inspirieren. Und es kann überreden. Der schmale Grat liegt darin, sich nicht erzählen zu lassen, wie ein Moment auszusehen hat. Eine Verlobung muss nichts beweisen. Sie muss nichts performen. Sie darf still sein. Oder laut. Oder einfach telefonisch geteilt werden, von Mensch zu Mensch.
Hochzeitstrends kommen und gehen. Plattformen verändern sich.
Aber eure Beziehung ist kein Trend. Eure Hochzeit ist kein Content.
Und genau diese Haltung nehmen wir mit in freie Trauungen: Nicht das, was „man macht“, zählt – sondern das, was sich für euch stimmig anfühlt. Wenn ihr das schon bei der Verlobung ernst nehmt, dann spürt man das später. In eurer Geschichte. In eurer Zeremonie. Und in dem Moment, in dem ihr Ja sagt.
Ihr seid verlobt? Dann meldet euch bei uns!
Wenn ihr merkt, dass euch diese Fragen gerade beschäftigen – nicht nur rund um die Verlobung, sondern auch mit Blick auf eure spätere freie Trauung – dann ist das ein guter Zeitpunkt für ein erstes Gespräch. Nicht über Abläufe. Sondern über euch.



